Was ist passiert?
Am 20. Oktober 2026 hat das PHP-Projekt ein kritisches Sicherheitsupdate angekündigt, am Nachmittag des 21. Oktober folgten die Patches. Details zu den Lücken waren bereits vor der koordinierten Veröffentlichung im Netz aufgetaucht. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat eine Cybersicherheitswarnung herausgegeben, auch CERT-EU, das IT-Notfallteam der EU-Institutionen, warnt eindringlich.
Die beiden Lücken tragen die Kennungen CVE-2026-109618 und CVE-2026-109619. Beide erreichen einen CVSS-Score von 9,2 von 10. In der Fachpresse werden sie als „PHP2Shell“ bezeichnet, in Anlehnung an die berüchtigte Log4Shell-Lücke von 2021.
Betroffenes Produkt | PHP |
Betroffene Versionen | alle Versionen vor 8.5.12, 8.4.27, 8.3.36 und 8.2.35; laut Sicherheitsforschern betroffen bis zurück zu PHP 5.4 |
Schweregrad | CVSS 9,2 von 10 (kritisch), BSI-Warnstufe 3 / Orange |
Gepatchte Versionen | PHP 8.5.12, 8.4.27, 8.3.36, 8.2.35 |
Folge | Ausführung von Schadcode aus der Ferne (Remote Code Execution) ohne Anmeldung |
Warum die Lücken so gefährlich sind
Angreifer können über die Schwachstellen aus der Ferne Schadcode auf Webservern mit PHP-Anwendungen ausführen. Dafür benötigen sie weder Zugangsdaten noch eine Interaktion von Nutzern.
Technisch betreffen die Lücken die interne Speicherverwaltung von PHP:
CVE-2026-109618: Gerät PHP während einer Anfrage in eine Out-of-Memory-Situation, kann die anschließende Bereinigung teilweise initialisierte Daten als gültig behandeln.
CVE-2026-109619: Anfragebezogene Zustände können überleben, obwohl ihr Speicher bereits freigegeben ist. Eine spätere Anfrage im selben Worker greift dann auf diese veralteten Daten zu.
Für Apache mit mod_php hat das PHP-Projekt einen Angriff bestätigt, der ohne Anmeldung funktioniert und greift, bevor überhaupt Anwendungscode ausgeführt wird. Auch eine sorgfältig entwickelte Anwendung kann den Angriff deshalb nicht abfangen.
Das BSI rechnet mit einer schnellen Ausnutzung. BSI-Vizepräsident Thomas Caspers hält eine großflächige Ausnutzung innerhalb weniger Stunden nach Erscheinen der Sicherheitsupdates für wahrscheinlich. Der Grund: Mit KI-gestützten Werkzeugen lassen sich Patches heute sehr schnell analysieren und in funktionierende Exploits übersetzen.
Diese Einschätzung bestätigt sich bereits. Das Sicherheitsunternehmen watchTowr beobachtet seit dem 21. Oktober aktive Angriffsversuche auf beide Lücken. Amazon Threat Intelligence meldet erste Angriffsversuche auf eigene Honeypots sogar schon für den 17. Oktober, also vier Tage vor der Veröffentlichung. Laut CERT-EU kursieren zudem erste Proof-of-Concept-Exploits. Wie viele Systeme bereits erfolgreich kompromittiert wurden, ist derzeit noch unklar.
Wer ist betroffen?
Kurz gesagt: nahezu jeder, der PHP im Web einsetzt. PHP ist einer der zentralen Bausteine des Internets. Darauf basieren unter anderem Shopware, Magento, WordPress, TYPO3, Drupal, Joomla und Nextcloud, aber auch zahlreiche proprietäre Produkte und Firewall-Systeme wie pfSense oder OPNsense.
Betroffen sind alle PHP-Installationen, die Webanfragen verarbeiten, etwa über PHP-FPM, Apache mit mod_php, php-cgi, FrankenPHP oder LiteSpeed. Laut PHP-Projekt ist das Risiko bei mod_php am höchsten.
Besonders kritisch ist die Lage für Systeme mit veralteten PHP-Versionen. Alle Versionen vor PHP 8.2 haben ihr End-of-Life bereits erreicht und erhalten keine regulären Sicherheitsupdates mehr. Für PHP 7.4, 8.0 und 8.1 stellt das PHP-Sicherheitsteam lediglich minimale Korrekturen im Quellcode bereit, aber keine fertigen Releases. Für noch ältere Versionen gibt es gar keine Korrekturen. PHP 8.2 wird nur noch bis zum 31. Dezember 2026 unterstützt.
Was jetzt zu tun ist
Der einzig vollständige Schutz ist das Update auf eine gepatchte PHP-Version. Wir empfehlen Betreibern von PHP-Anwendungen deshalb folgende Schritte:
Ältere PHP-Versionen: elio hat Lösungen für Sie parat
Nicht jedes System lässt sich kurzfristig auf eine aktuelle PHP-Version heben. Gewachsene Shops, Individualentwicklungen oder Schnittstellen zu ERP- und PIM-Systemen hängen oft an einer bestimmten Version. Eine Migration braucht dann Zeit, und genau diese Zeit gewähren Angreifer nicht.
Für PHP-Versionen älter als 8.2 haben wir ebenfalls Lösungen für Sie parat. Welcher Weg der richtige ist, hängt unter anderem von Ihrer Anwendung und Ihrem Hosting ab. Das klären wir gemeinsam mit Ihnen im persönlichen Gespräch.
So bleibt Ihr bestehendes System geschützt, während Sie die Migration auf eine aktuelle PHP-Version in Ruhe planen.
Wichtig: Die Absicherung älterer PHP-Versionen ist ein individueller Aufwand und setzt ein entsprechendes Budget voraus. Wir besprechen gern mit Ihnen, welcher Weg für Ihr System wirtschaftlich sinnvoll ist: Absicherung der bestehenden Version, Migration oder beides in Kombination.
Zusätzlicher Schutz durch eine Web Application Firewall
Eine Web Application Firewall (WAF) prüft eingehende Anfragen, bevor sie die Anwendung erreichen, und kann Angriffsmuster gezielt blockieren, sofern passende Erkennungsregeln für die Schwachstellen vorliegen. Sie ersetzt das Update nicht, bildet aber eine wertvolle zusätzliche Schutzschicht.
elio setzt auf Wunsch eine WAF vor Ihre Anwendung. Das ist besonders in Situationen wie dieser hilfreich:
Schutz in der kritischen Phase zwischen Bekanntwerden einer Lücke und dem Einspielen des Patches
zusätzliche Absicherung von Systemen mit älteren PHP-Versionen
Abwehr weiterer Angriffe wie SQL-Injection, Cross-Site-Scripting oder automatisierter Bot-Zugriffe
Auch hier gilt: Umfang und Konfiguration der WAF richten sich nach Ihren Anforderungen und Ihrem Budget.
Fazit: Jetzt handeln, auch bei älteren Systemen
Die PHP2Shell-Lücken zählen zu den kritischsten Schwachstellen der letzten Jahre. Sie betreffen nahezu jede PHP-Installation und lassen sich ohne Anmeldung aus der Ferne ausnutzen. Erste Angriffsversuche laufen bereits. Betreiber sollten die Patches sofort einspielen und ihre Systeme genau beobachten.
Wer auf ältere PHP-Versionen angewiesen ist, steht nicht schutzlos da. elio hat auch für gewachsene Systeme Lösungen parat, auf Wunsch ergänzt um eine vorgeschaltete WAF, und schafft so den Freiraum für eine geordnete Migration.
Sie möchten Ihre PHP-Systeme absichern?
Ob Patch-Check, Absicherung älterer PHP-Versionen, Web Application Firewall oder Migration auf eine aktuelle PHP-Version: Wir prüfen Ihre Systeme und zeigen Ihnen, welcher Weg zu Ihren Anforderungen und Ihrem Budget passt.
Quellen
BSI: Cybersicherheitswarnung „PHP: Kritische Schwachstellen bedrohen Webanwendungen weltweit“, Version 1.1 vom 21.10.2026, https://www.bsi.bund.de/SharedDocs/Cybersicherheitswarnungen/DE/2026/2026-297981-1032.html
PHP: News Archiv 2026, Critical PHP Security Release, https://www.php.net/archive/2026.php
CERT-EU: Security Advisory 2026-018 „Critical Vulnerabilities in PHP“, https://cert.europa.eu/publications/security-advisories/2026-018/
http://ingenieur.de : „Kritische PHP-Schwachstellen: BSI warnt vor Angriffen auf Webserver“ (21.10.2026), https://www.ingenieur.de/kritische-php-luecken-bsi-warnt-vor-angriffen-auf-webserver-e0529b4b-15c8-444a-974a-00919edb30b6/
watchTowr: „PHP Remote Code Execution (PHP2Shell)“, https://watchtowr.com/intelligence/php-remote-code-execution-php2shell/
Tenable: „php2shell (CVE-2026-109618, CVE-2026-109619): FAQ“, https://www.tenable.com/blog/php2shell-cve-2026-109618-cve-2026-109619-frequently-asked-questions-about-critical-php-remote